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 Aktuelle Ausstellung bis zum 26. September 2010

Carlos Grethe – Der Maler des Meeres und der Küste

Mit dem Tode von Professor Carlos Grethe am 24. Oktober 1913 hatte Deutschland einen seiner herausragenden Darsteller der Nordsee und der norddeutschen Küstenlandschaft verloren. Grethe genoss den Vorzug, die mannigfaltigen Eindrücke des Meeres, das teilweise weltabgeschiedene Leben der Matrosen, die Fischer auf hoher See, die Arbeit auf dem schwankenden Deck eines Lotsenschoners und die rasch wechselnden atmosphärischen Stimmungen der Niederelberegion auf unzähligen Studienreisen persönlich erlebt und beobachtet zu haben.
Kein Geringerer als der ehemalige Direktor der Bremer Kunsthalle, Dr. Gustav Pauli (1868-1938), hatte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die bewundernswerte künstlerische Sicherheit, den Reichtum der Erfahrungen sowie die handwerkliche Reife Grethes beim Erfassen unterschiedlicher Küsten- und Meeresstimmungen erkannt:
Der am 25. September 1864 als Sohn niederdeutscher Eltern in Montevideo/Uruguay geborene Künstler war im Jahre 1869 als Fünfjähriger zusammen mit seinen in Südamerika wohlhabend gewordenen Eltern nach Hamburg gelangt. Bereits auf der Überfahrt hatten sich dem Knaben die Eindrücke und Bilder von der See unvergesslich eingeprägt. Nachhaltig beeinflusst hatte ihn darüber hinaus eine in den Jahren 1886/87 unternommene Seereise auf dem Schoner Durango nach Mexiko. Die Tücken des Meeres, das harte Leben an Bord von Segelschiffen und der dauernde Kampf gegen die Elemente waren ihm bald genauso vertraut wie den Seeleuten selbst.
Nach dem Willen der Eltern hätte er eigentlich Kaufmann werden sollen, doch davon war der künstlerisch begabte junge Mann wenig erbaut. Grethe begann seine Ausbildung zunächst an der Hamburger Gewerbeschule, wo er als Schüler von Professor Paul Düyffcke (1847-1910) zwischen 1879 und 1881 erste gründliche Kunstunterweisungen erhielt. Im Herbst 1882 folgte das Studium an der Karlsruher Kunstakademie. Karlsruhe stand im ausgehenden 19. Jahrhundert im Begriff, die führende Landschaftsschule Deutschlands zu werden, so dass ab 1890 die Jugend in Scharen an die dortige Kunsthochschule strömte. 1890 hatte Grethe sein Studium in Karlsruhe als Meisterschüler von Ferdinand Keller beendet.
In diese Zeit fällt bereits einer der großen Erfolge des Künstlers. Auf der denkwürdigen Münchner Internationalen Kunstausstellung 1888 wurde die Aufmerksamkeit auf den 24-Jährigen gelenkt. Grethe hatte sein großformatiges Ölgemälde „Lustige Matrosen auf einem Walfischfänger“ (200 x 300 cm) ausgestellt, das durch seine lebendige Auffassung und Frische für Aufsehen gesorgt hatte.
Aufgrund herausragender Leistungen wurde er im Jahre 1890 nach Vollendung seines Studiums Assistent bei Gustav Schönleber an der Großherzoglich Badischen Akademie der bildenden Künste und bekleidete außerdem ab 1891 eine Professur an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Eine vakant gewordene Stelle bescherte dem knapp 30-Jährigen eine zusätzliche Professur für Genremalerei an der Karlsruher Akademie. Bald zählte der junge Professor zu den eifrigsten Förderern der badischen Sezession und gehörte zu den führenden Mitbegründern des Karlsruher Künstlerbundes 1896.
Die von Grethe zeit seines Lebens geförderte „Künstlerkolonie-Bewegung“ führte dann ab 1895 zu ausgedehnten Studienreisen mit seinen Schülern in die Küstenregion der Niederelbe. Duhnen und Altenwalde, heutige Ortsteile Cuxhavens, wurden Künstlerkolonien. Ein reiches Betätigungsfeld tat sich hier auf. Die rasch wechselnden Stimmungen an der Nordsee, die Naturgewalten des Meeres sowie das Leben der Lotsen und Fischer gehörten zu den bevorzugten Motiven des Künstlers. Sie stehen oftmals in einem machtvollen Gegensatz zur dunstigen Meeresluft, oft in melancholischer Stimmung und mit einem unverkennbar symbolistischem Ausdruck.
So großartig seine in Öl gemalten Marine- und Hafenmotive mit Darstellungen vom unablässigen Kampf der Küstenbewohner mit den Unbilden des Meeres auch sein mögen, so unerschöpflich und gewaltig ist die See als Thema auch in seinem graphischen Werk.
Die Farblithographie „Einfahrt“ aus dem Jahre 1896, die er als Motiv auch in Öl verarbeitet hatte, zeigt ein Motiv aus Cuxhaven. Es war Grethes erste Graphik überhaupt. Am linken Bildrand sind die mächtigen Duckdalben an der Hafeneinfahrt zu erkennen, an denen der Kutter in den sicheren Hafen vorbeigleitet. Am oberen Bildrand werden die Masten abgeschnitten, was dieser Ansicht Spannung und Dynamik verleiht. Der Druck besticht durch die stimmungsvolle Beleuchtung und ist lediglich in wenigen Exemplaren hergestellt worden und daher von musealem Charakter.
Grethe war 1895 in Begleitung seiner Ehefrau Lilli erstmals mit den ihm anvertrauten Akademieschülern in den Cuxhavener Küstenraum gereist. Seiner Meinung nach boten Elbe- und Nordseeküste hervorragende Anreize zu künstlerischem Schaffen. Die spezifische Arbeitswelt der Fischer und Lotsen wurde rasch zum Gegenstand vielfältiger Malstudien und Gemälde. In Cuxhaven hatte Carlos Grethe übrigens die Bekanntschaft mit dem bedeutenden Hamburger Reeder Adolf Woermann gemacht, mit dem er in den folgenden Jahren längere Seereisen und Studienfahrten auf dessen Schiffen und Schonern unternahm.
Künstlerische Richtungskämpfe an der Karlsruher Akademie hatten bewirkt, dass Kalckreuth und Grethe im Jahre 1899 Karlsruhe verließen, um einem Ruf an die Akademie in Stuttgart zu folgen. Vor allem in seinen letzten Lebensjahren hielt sich Grethe häufig in Nieuwport in Flandern auf. Dort verstarb der Schilderer des Meeres und der Küste am 24. Oktober 1913 im Gasthof „Mon Reve“, noch keine 50 Jahre alt.
Carlos Grethe gehörte zu den Künstlern, dem selbst seine Widersacher in Zeiten großer künstlerischer Auseinandersetzungen und widerstrebender Meinungen niemals die Anerkennung versagt haben. Die feine Beobachtung von Lichtwirkungen sowie die überzeugende Behandlung seiner Motive verleihen seinen Bildern eine bisweilen lyrische Stimmung, die auch heutige Betrachter gefangen nimmt. Sein Name bleibt indes für alle Zeiten eng verbunden mit der Gründung der Duhner/Altenwalder Malerkolonie.


Peter Bussler

Flyer der Ausstellung zum Download
 

 

 Frühjahrsausstellung 2010

Karl Otto Matthaei
Exponent der Duhner Malerkolonie

von Peter Bussler

Wie kaum ein anderer bildender Künstler hat Karl Otto Matthaei zwischen 1895 und 1930 die Schönheiten unserer küstennahen Landschaft in unzähligen Skizzen und Zeichnungen, Studien und großartigen Ölgemälden festgehalten. Vor allem bei den Fischern und Bauern der Niederelbe sowie in den weit gedehnten Heidegebieten der Altenwalder und Duhner Geest war er ständig auf der Suche nach geeigneten Motiven.

Der am 30. November 1863 in Hamburg geborene Karl Otto Matthaei gehörte zusammen mit dem aus dem Markgräflerland stammenden Studienfreund Hermann Daur (1870-1925) sowie seinem Kommilitonen Wilhelm Laage (1868-1930) aus Hamburg-Stellingen zu den auffälligsten Exponenten jener Karlsruher Kunstschüler, die im Jahre 1895 mit zahlreichen weiteren Studienkollegen der Badischen Akademie der Bildenden Künste unter Leitung ihres Lehrers, Prof. Carlos Grethe (1864-1913), in Duhnen und Altenwalde eine Künstlerkolonie gegründet hatten. Alljährlich zogen die Akademieschüler regelmäßig vom fernen Karlsruhe an die Nordsee, um das nördliche Elbe-Weser-Gebiet mit seiner Fülle lohnenswerter Motive künstlerisch zu erschließen.

Im Jahre 1896 hatte der aus Bredstedt bei Husum stammende Amtsgerichtsrat Robert Wiebalck auf Einladung des Marschendichters Hermann Allmers sowie in Begleitung des Reichstagsabgeordneten Dr. Diederich Hahn aus Basbeck-Osten und dem aus Hamburg stammenden Hauptmann a. D. Ulrich Kirchenpauer, einem Sohn des bedeutenden Ritzebütteler Amtmanns (von 1858-1864), die Duhner Malerkolonie aufgesucht, wo Prof. Carlos Grethe nebst einer größeren Anzahl seiner Akademieschüler die illustre Gästeschar willkommen hieß. Wiebalck hat sich wie folgt erinnert: „Duhnen war damals noch kein Badeort, wie später, sondern nur ein einfaches Fischerdorf. Hier reichten die einzigen Gasthöfe von Diederichs und Mangels gerade aus, um neben den Malern auch die übrigen Besucher unterzubringen. Nachmittags fand zunächst in der großen lichtdurchfluteten Veranda des Gasthofes von Mangels eine Augenscheinnahme der bereits gefertigten Skizzen der Maler statt, unter denen mir die des später in Bremen ansässigen Meisters Karl Otto Matthaei und des später als Meisterschüler Hans Thomas ebenfalls zu Ruf gekommenen Hermann Daur aus dem Markgräflerland viel zu versprechen schienen.“

Tatsächlich hatte sich Matthaei schon während seiner Karlsruher Studienjahre künstlerisch erstaunlich rasch durchsetzen können, obgleich er seinen Neigungen als Maler hatte relativ spät nachgehen können, denn nach dem Willen des Vaters sollte der Sohn einen „anständigen Beruf“ ergreifen. Karl Otto Matthaei erlernte zunächst den Beruf eines Kaufmannes, so dass er sein Studium an der badischen Kunstmetropole erst im Jahre 1891 aufnehmen konnte, wie aus den akribisch geführten Schülerlisten hervorgeht, die in den Archivräumen der Karlsruher Kunsthalle aufbewahrt werden. Vor allem im Zuge der um 1900 einsetzenden starken Verbreitung der künstlerisch motivierten Druckgraphik hatte Matthaei schon frühzeitig besondere Popularität erlangt, denn unter den ab 1897 erschienenen farbigen Künstlerlithographien befanden sich auch zahlreiche, die nach seinen Entwürfen entstanden waren. So hatte er innerhalb weniger Jahre die gesamte Region der Niederelbe, des Landes Hadeln sowie der Vierlande in weiten Volkskreisen bekannt gemacht.

 

1903 unternahm Karl Otto Matthaei eine seiner zahlreich durchgeführten Studienreisen nach Otterndorf, wo er mehrere ihm unterstellte Malschülerinnen unterrichtete. Unter diesen „Malweibern“, wie sie in jener Zeit respektlos genannt wurden, befand sich auch die 35-jährige Agnes von Holten aus Hamburg, eine talentierte Malschülerin, die er 1905 heiratete. Trotz wirtschaftlich nicht immer einfacher Zeiten verkauften sich die Bilder Matthaeis gut, ganz besonders auf den Studienreisen, die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges zumeist nach Duhnen, Altenwalde, Otterndorf und Neuhaus führten. Vorübergehend in Hamburg und Karlsruhe ansässig, hatte sich die Familie mit der inzwischen geborenen Tochter Herta im Jahre 1916 endgültig für einen Umzug nach Norddeutschland entschlossen. Auf Anraten des damaligen Direktors der Bremer Kunsthalle, Dr. Pauli, sowie des ebenso einflussreichen Direktors des Kulturhistorischen Museums, Dr. Schäfer, fiel die Wahl auf Bremen. Dabei ist bemerkenswert, dass Matthaei seinen angestammten Studienplätzen zwischen Elbe und Weser trotz seines umfassenden Arbeitspensums in Bremen ein Leben lang treu geblieben ist.

Anlässlich der Silberhochzeit Karl Otto Matthaeis im Jahre 1930 trafen sich alle sieben Geschwister im Hause seiner ältesten Schwester Elisabeth Breuer in Hamburg, wo fast alle Geschwister Matthaeis lebten. Ehefrau Agnes Matthaei notierte: „Es waren bei dieser Feier das letzte mal alle sieben Geschwister zusammen. Es war ein ganz wunderschöner Tag, den wir im Kreise der Familie erleben durften. 1931 wurde Ottos Befinden, jedoch ohne ausgesprochene Krankheit, immer schlechter. Es zeigte sich viel Atemnot. Auf der Beerdigung seines Bruders Max im Frühjahr 1931 zog er sich eine Erkältung zu, die die Sache noch verschlimmerte. Otto konnte dann noch im Sommer draußen malen, und im Herbst entstand sein letztes Bild im Bremer Bürgerpark. Auf seinem Geburtstag legte er sich hin und schlief am 19. Dezember 1931 sanft ein.“

Das Gesamtwerk des Malers, Zeichners und ebenso großartigen Graphikers ist kaum zu überschauen und weit verstreut. Die schönsten Werke befinden sich in privaten Sammlungen. Kaum ein anderer Kunstschaffender hat im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die Niederelbe-Landschaft mit den vielen liebenswerten Motiven so bekannt gemacht hat wie der Maler Karl Otto Matthaei.

 

 Flyer der Ausstellung zum Download


Förderverein Cuxhavener Kunsträume e.V. | info@cuxhavener-kunstraeume.de